Antoni Tàpies
Bilder und Skulpturen


22 .Oktober bis 11. Dezember 2004

Antoni Tàpies ist Ende letzten Jahres 80 geworden. Wir ehren diesen großen spanischen Künstler mit einer Ausstellung von Bildern und Skulpturen der achtziger und neunziger Jahre.

Zur Ausstellung erscheint eine Broschüre mit Farbabbildungen aller ausgestellten Arbeiten.


„Ich glaube, der Künstler muss aus Prinzip immer gegen Ästhetik sein. Künstler machen zyklisch Krisenzeiten durch, in denen sie die Notwendigkeit verspüren, sich selbst zu zerstören. Das spielt eine wichtige Rolle, denn wenn es uns glückt, steigen wir dabei wie neugeboren aus unserer eigenen Asche“, sagte Antoni Tàpies 1987 in einem Gespräch. Der spanische Künstler, der 1923 in Barcelona geboren wurde, hat nicht nur innere Krisenzeiten durchlebt, die an seinen Bildern abzulesen sind, sondern auch Weltkatastrophen. Als er 13 Jahre alt war, brach der Spanische Bürgerkrieg aus, der Hunderttausende von Menschenleben forderte. Der Zweite Weltkrieg ging zu Ende, als er 22 war. In Spanien folgte das Regime des Diktators Franco mit Verfolgung und Opfern. „Ich will in meine Malerei – gleich, ob es gefällt oder nicht – all das einbeziehen, was einem heute in meinem Lande widerfährt: Das Leiden, die Schmerzen, das Gefängnis, die Auflehnung. Die Kunst muss Wahrheit sein“, schrieb er damals.

Tàpies gehöre zu der Generation, die entscheidend die Kunst in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts revolutionierte, so die Kunstkritikerin Barbara Catoir, die das Werk des Künstlers seit langem publizistisch begeleitet. Die Vorstellung dieser Künstler von der Welt war neu, sie brachen radikal mit der Vergangenheit, arbeiteten mit neuen Materialien, sie hatten andere Erfahrungen als die früheren Generationen.

Im Werk von Antoni Tàpies fehlt – abgesehen von früheren Arbeiten – der Mensch. Es finden sich nur Hinweise auf dessen Existenz, auf sein Schaffen, auf seine Kultur: der Abdruck einer Hand oder eines Fußes, Gegenstände wie Fundstücke, ein Hemd, ein Schuh, ein Möbel.

Ende 1953 begann der katalanische Künstler den pastosen, krustigen Farbauftrag seiner frühen Bilder noch zu steigern durch die Beimischung anderer Materialien wie Sand, Erde, Leim oder Marmorstaub. Mit Farbe vermischt trägt er sie auf die Leinwand auf, so dass mauerähnliche, krustige, meist monochrome Farbflächen entstehen, die er noch mit Werkzeug bearbeitet. Dieses Eingreifen hinterlässt Verletzungen, Risse, Abschürfungen, Strukturen. Die an „alte Mauern mit Spuren von Zerfall und Abnutzung erinnernden Tafeln“, schrieb der Kunsthistoriker Andreas Franzke zu diesen Bildern, „vermitteln dem Betrachter den Eindruck, einer greifbaren Realität gegenüberzustehen“. Andere Interpreten wollen in diesen Bildern auch Zerstörungen sehen, die gleichzusetzen sind mit Gewalt und Aggression als den dunklen Seiten der menschlichen Natur. Doch lassen sich die Einritzungen auch als Zeichen lesen, die verschlüsselt auf eine versunkene Welt der Erfahrungen und der Erinnerungen der Menschheit deuten.

Die still und hermetisch wirkenden Bilder von Tàpies sind zugleich sehr beredt. Sie waren ein Protest gegen die Militärdiktatur, sie sind ein Gegenpol zu den grellen und lauten Begleiterscheinungen unserer Zeit. Sie sind Teil unserer Zeit und erinnern uns an die nahe und ferne Vergangenheit, an längst versunkenen Mythen. Sie sind gleichsam modern und archaisch. Die Stille in diesem Werk ist seine Stärke. Tàpies: „Eines Tages versuchte ich, geradewegs das Schweigen zu erreichen.“

N.B.


 

 

 

 

 

 


 

 

Rougeatre avec arrachement, 1988
Mischtechnik auf Wellpappe , 75 x 115 cm
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