DIETER ROTH/
ARNULF RAINER
 

Misch- und Trennkunst 1974/76
2001

Fast unbekannt gebliebene Arbeiten der Jahre 1974 bis 1976.
Ein Konvolut von Zeichnungen, nach deren Verbleib ich geforscht habe, entdeckte ich bei der Vorbereitung einer Arnulf Rainer Ausstellung in dessen Archiv. Ich wusste von den Arbeiten einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Roth und Rainer aus den siebziger Jahren, hatte ich doch verschiedentlich Arbeiten der beiden Künstler im Atelier von Dieter Roth und bei Sammlern gesehen, deren Spuren sich aber heute verflüchtigt haben.
Dankenswerterweise kam Arnulf Rainer meinem Wunsch sofort nach, aus den „Funden“ eine konzentrierte Ausstellung zu machen. So versammeln sich hier 30 Arbeiten. Sie belegen in hervorragender Weise die Problematik aber auch die fruchtbaren Erkenntnisse und Ergebnisse einer unter großer Anspannung zustande gekommenen Zusammenarbeit zwischen den so unterschiedlichen Künstlern Dieter Roth und Arnulf Rainer.
Arnulf Rainer gibt in einem frühen Katalogtext selbst Auskunft über Sinn und Zweck dieser gemeinsamen Exerzitien: „Es tritt hierbei eine Reihe ungewohnter Probleme auf, vor allem die gegenseitige Störung bzw. Zerstörung. Das dialogische Arbeiten auf einer Bildfläche verlangt Einfühlung, Flexibilität und große Toleranz gegenüber dem anderen. Es ergeben sich dann interessante, mehrschichtige, zwitterhafte Gebilde, wie sie ein Künstler allein kaum erzeugen kann. Dafür ist Vollendung oder irgendeine Perfektion, in welche Richtung auch immer, schwer möglich. Meistens entstehen unentschiedene Konstellationen. Es wurden weder Roth- noch Rainerbilder. Diese Pattsituation ist fast immer eingetreten, ausgenommen wenn einer von uns sehr nachgegeben hat, d.h. die Ausformung der speziellen Bildideen des anderen bewusst unterstützt, initiiert oder zumindest entschlossen geduldet hat...“
Das Ringen miteinander, die angefangenen Ideen des anderen weiterzuführen, einer Vollendung oder auch der Destruktion zuzutreiben ist aus jedem dieser Bilder zu spüren. Große Spannung geht auch von den „Trennbildern“ aus, bei denen sich die Künstler je nur eine halbe Seite für eine eigenständige Arbeit zugewiesen haben. Die Gemeinsamkeit tritt dann nur in der Betitelung und Signierung auf, die an den Schnittstellen der Bilder quer über beide Bildhälften als verbindendes Element aufgebracht wurden.