Fast unbekannt gebliebene Arbeiten der
Jahre 1974 bis 1976.
Ein Konvolut von Zeichnungen, nach deren Verbleib ich geforscht
habe, entdeckte ich bei der Vorbereitung einer Arnulf Rainer Ausstellung
in dessen Archiv. Ich wusste von den Arbeiten einer fruchtbaren
Zusammenarbeit zwischen Roth und Rainer aus den siebziger Jahren,
hatte ich doch verschiedentlich Arbeiten der beiden Künstler
im Atelier von Dieter Roth und bei Sammlern gesehen, deren Spuren
sich aber heute verflüchtigt haben.
Dankenswerterweise kam Arnulf Rainer meinem Wunsch sofort nach,
aus den „Funden“ eine konzentrierte Ausstellung zu machen.
So versammeln sich hier 30 Arbeiten. Sie belegen in hervorragender
Weise die Problematik aber auch die fruchtbaren Erkenntnisse und
Ergebnisse einer unter großer Anspannung zustande gekommenen
Zusammenarbeit zwischen den so unterschiedlichen Künstlern
Dieter Roth und Arnulf Rainer.
Arnulf Rainer gibt in einem frühen Katalogtext selbst Auskunft
über Sinn und Zweck dieser gemeinsamen Exerzitien: „Es
tritt hierbei eine Reihe ungewohnter Probleme auf, vor allem die
gegenseitige Störung bzw. Zerstörung. Das dialogische
Arbeiten auf einer Bildfläche verlangt Einfühlung, Flexibilität
und große Toleranz gegenüber dem anderen. Es ergeben
sich dann interessante, mehrschichtige, zwitterhafte Gebilde, wie
sie ein Künstler allein kaum erzeugen kann. Dafür ist
Vollendung oder irgendeine Perfektion, in welche Richtung auch immer,
schwer möglich. Meistens entstehen unentschiedene Konstellationen.
Es wurden weder Roth- noch Rainerbilder. Diese Pattsituation ist
fast immer eingetreten, ausgenommen wenn einer von uns sehr nachgegeben
hat, d.h. die Ausformung der speziellen Bildideen des anderen bewusst
unterstützt, initiiert oder zumindest entschlossen geduldet
hat...“
Das Ringen miteinander, die angefangenen Ideen des anderen weiterzuführen,
einer Vollendung oder auch der Destruktion zuzutreiben ist aus jedem
dieser Bilder zu spüren. Große Spannung geht auch von
den „Trennbildern“ aus, bei denen sich die Künstler
je nur eine halbe Seite für eine eigenständige Arbeit
zugewiesen haben. Die Gemeinsamkeit tritt dann nur in der Betitelung
und Signierung auf, die an den Schnittstellen der Bilder quer über
beide Bildhälften als verbindendes Element aufgebracht wurden.
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