Uta Päffgen  
 
Pachinko | Galerie Heinz Holtmann
In der ersten Einzelausstellung in ihrer Heimatstadt Köln präsentiert sich die seit 1992 in Berlin lebende Künstlerin mit großformatiger Malerei sowie mit Arbeiten auf Papier, in denen sie lustvoll die formbildenden Möglichkeiten ihres Mediums Farbe auslotet. Auf Leinwänden oder, seit 2006 bevorzugt, auf Papier verdichten, überlappen und verschränken sich Acryl, Gouache, Aquarell und Tusche zu Formationen und Strukturen. Diese lassen Assoziationen an Landschaften und Vegetabiles zu, ohne dass Uta Päffgen dies jedoch bewusst evozierte. Die Künstlerin setzt, tropft und tupft Farben auf einen in der Regel weißen Malgrund, dort lässt sie die Farben agieren. In dem entstehenden Bildraum bildet Farbe Formen; Farbe und Formen erhalten eine geradezu physische Präsenz.

Oftmals arbeitet Uta Päffgen mit stark verdünnter Farbe, die sie auf nasse Flächen aufträgt. Die Flüssigkeit mit den Farbpigmenten legt sich wie eine Haut über die Fläche, Farben verlaufen ineinander und lösen von Hand gesetzte Spuren zu neuen Formen auf. Stark pigmentierte Stellen wirken mitunter tief und samtig. Solch delikate Oberflächen, ihr Changieren zwischen Tiefe und Leichtigkeit, glänzender und matter, satter und transparenter Erscheinung sowie der prozesshafte Charakter ihrer Bilder machen den besonderen Reiz von Uta Päffgens Malerei aus: ihr virtuoses Spiel mit dem Wechsel von kontrollierter Setzung und Zufall.

In „Das Reich der Zeichen“ (1970/1981) sprach Roland Barthes von dem ‚kontrollierten Zufall‘, der das innerste Prinzip der Alla-Prima-Malerei darstelle. Bei dieser Maltechnik wird ein Strich in einer einzigen Bewegung ein für allemal gezogen, wegen der Beschaffenheit des Malgrundes (Papier) und des Malmittels (Tusche) kann er nicht korrigiert werden. Ohne Vorzeichnungen wird Farbe direkt platziert, der eine Zug muss sitzen. Dieser Kitzel aus Verheißung mit dem Risiko des Scheiterns, der Reiz des Prozesses einer anfänglichen bewussten Setzung und dem dann nicht mehr kontrollierbaren Verlauf ist für Uta Päffgen immens wichtig. Ihre Malerei ist in dieser Hinsicht wie ein Pachinko.

Pachinko ist ein japanisches Automatenglücksspiel, bei dem ähnlich wie beim Flipper die Kugel durch einen Hebel bewegt werden muss – im Unterschied zum Flipper hat der Spieler jedoch nur eine Chance, den Hebel zu bewegen. Diese eine Bewegung entscheidet über den weiteren Verlauf des Spiels. Nach Barthes reproduziert der Pachinko auf mechanischer Ebene das innerste Prinzip der Alla-Prima-Malerei, i.e. den gezielten Einsatz von Kraft, der eine nur bedingt planbare Entwicklung nach sich zieht.

Nach diesem Prinzip arbeitet Uta Päffgen. Ihre Performative Malerei – auf Leinwand oder Papier, in Rauminstallationen oder auch in Aktionen - markiert eine ganz eigenständige künstlerische Position im Feld autonomer Malerei. Sie zeichnet sich durch ihre zarte Textur, ihre sensible und differenzierte Oberflächengestaltung und eine beeindruckende Energie aus, die unterschiedlichste Bild- und Farbräume durchpulst.

Text: Silke Feldhoff

Ohne Titel, 2008
Acryl, Gouache, Tusche, Öl auf Baumwolle
160 x 200 cm
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