| In den neuen Räumen der Galerie
Heinz Holtmann (www.galerie-holtmann.de) am Kölner Rheinauhafen
liegt eine 40 Zentimeter breite und 580 Zentimeter lange Barke.
Diesen blaugrünen archaischem Nachen entdeckte Bettina Flitner
in Myanmar, kaufte ihn für 20 Dollar und ließ ihn in
einer einjährigen Odyssee nach Köln transportieren. „Als
das Boot ankam, war meine neue Arbeit im Kopf fertig.“ Über
ein Jahr lang inseznierte die Künstlerin daraufhin ihre poetischen
wie humorvollen Fotobilder. Hauptakteur jeder Szene ist das Fundstück
aus Myanmar, jedoch mit wechselndem Personal: So entdeckt man ein
karnevalistisches Dreigestirn, eine Beerdigungsszene oder eine ironische
Schwansee-Einlage mit anmutigen Ballettratten.
Mit theatralischem Gespür gestaltet die 1961 Geborene Szenarien,
die eine Flut von Assoziationen auslösen. „Das Geschichtenerzählen“,
erklärt Flitner, „ist wahrscheinlich von meiner Filmarbeit
übrig geblieben.“ Ausgebildet als Cutterin, studiert
sie von 1988 bis 1993 an der Berliner Filmhochschule Regie. Nach
etlichen Filmprojekten entdeckte sie ihre Passion für die Fotokunst,
vor allem aber dür amerikanische Kollegen wie Diane Arbus und
die Verwandlung skünstlerin Cindy Sherman. „Ich arbeite
in Genres, die sich gegenseitig befruchten.“
Seit 1992 besetzt Flitner auch den öffentlichen Raum, etwa
die Kölner Innenstadt oder den Berliner Lustgarten. Die Emma-Aktivistin
provoziert mit überdimensionalen, unter die Haut gehenden Fotoserien
wie „Mein Feind“, „Mein Herz“, „Mein
Denkmal“, die sie mit Zitaten der Porträtierten kombiniert.
Im März dieses Jahres eröffnete Angela Merkel in Brüssel
Flitners Wanderausstellung mit dem Titel „Europäerinnen“.
Merkel: „Mit ihrem klaren Blick und ihrer Kamera als Arbeitsinstrument
schaut sie sozusagen in die Persönlichkeiten hinein.“
Zuvor hatte die Parade eindringlicher Porträts von 65 Politikerinnen,
Unternehmerinnen, Künstlerinnen und Journalistinnen schon in
Madrid, Tampere und Berlin zahlreiche Neugierige angelockt.
Mit ihren neuen Arbeiten aus dem Zyklus „Boatpeople“
bewegt sich die geborene Kölnerin elegisch zwischen Abschied
und Ankunft. Die Preise sind erschwinglich, gemessen an Flitners
Reputation und am teuren Material. Die Lichtbilder liegen bei 1800
Euro (60 x 71 Zentimeter), Auflage: fünf Exemplare) und 3500
Euro (90x120 Zentimeter, Auflage: drei Exemplare). Die großen
Formate (130 x 180 Zentimeter) sind für 8500 Euro im Angebot.
Die gerahmte Edition (30 x 36 Zentimeter, Auflage: 20 Exemplare)
mit der Kölner Rautenstrauch-Familie an Bord der Barkass ist
bei der Galerie Holtmann für nur 480 Euro zu erwerben.
Linde Rohr-Bongard, aus: Capital 21/2007 |